Elterntaxis – Ein Risiko für den sicheren Schulweg?
Viele Eltern kritisieren, dass das hohe Verkehrsaufkommen vor den Schulen zu einer gesteigerten Unfallgefahr führt. 56 Prozent der befragten Eltern gaben an, dass durch Elterntaxis gefährliche Situationen entstehen.
ZR
Zwergerl Redaktion
29. Januar 2025·4 Min.
Der SchulwegArtikelSicher zur Schule: Schutz für Schulkinder auf den StraßenDer Schulweg birgt Risiken. Mit Training, Sichtbarkeit und Unterstützung aller Beteiligten wird er sicherer. ist ein essenzieller Teil des Alltags für jedes Kind. Doch wie kommen unsere Kleinen eigentlich sicher zur Schule? Die meisten Eltern stehen vor dieser Frage und treffen dabei häufig die Entscheidung, ihr Kind mit dem Auto zur Schule zu bringen – das sogenannte „Elterntaxi“. Eine kürzlich durchgeführte Umfrage zur Verkehrssicherheit von Kindern zeigt nun, dass genau diese gut gemeinte Geste auch Nachteile mit sich bringen kann.
Elterntaxis im Fokus: Praktisch, aber problematisch
Laut der Umfrage fährt etwa jedes vierte Grundschulkind regelmäßig mit dem Auto zur Schule. Die Gründe, die Eltern dafür nennen, sind vor allem praktischer Natur: Anschlusstermine, schlechtes Wetter oder einfach Zeitersparnis. Nur wenige Eltern sehen den Schulweg als unsicher an. Trotzdem sehen viele Befragte das erhöhte Verkehrsaufkommen durch Elterntaxis vor Schulen als großes Problem. 62 Prozent der Eltern sind der Meinung, dass die vielen Autos vor dem Schulgebäude die Verkehrssicherheit gefährden. Besonders in der Nähe der Schultore kommt es zu gefährlichen Situationen.
ArtikelForderung, das Elterntaxi stehen zu lassenDie Schule fängt wieder an und damit auch das allmorgendliche Verkehrschaos, verursacht durch Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto vorm Schultor absetzen. Das Beste? Schüler*innen möglichst selbstständig zur Schule oder Kindergarten gehen zu lassen.
Elterntaxis erhöhen die Unfallgefahr
Viele Eltern kritisieren, dass das hohe Verkehrsaufkommen vor den Schulen zu einer gesteigerten Unfallgefahr führt. 56 Prozent der befragten Eltern gaben an, dass durch Elterntaxis gefährliche Situationen entstehen. Besonders die Kombination aus vielen Autos, Eile und der Tatsache, dass Kinder oft unachtsam sind, ist problematisch. Kinder, die zu Fuß, mit dem Roller oder Fahrrad unterwegs sind, werden in solchen Situationen leicht übersehen.
Zeit für eigenständige Mobilität
Experten für Verkehrssicherheit raten dazu, Kinder so früh wie möglich eigenständig zur Schule gehen zu lassenArtikelIn den Ferien den Schulweg trainierenBeim „Schulwegtraining“ sind die Eltern gefragt, mit Geduld und Einfühlungsvermögen ihr Kind anzuleiten. Kurt Bodewig, Präsident der Deutschen Verkehrswacht: „Kinder sehenden Straßenverkehr mit anderen Augen.. Denn: Nur wer aktiv am Straßenverkehr teilnimmt, lernt, sich sicher zu bewegen. Besonders der Fußweg zur Schule bietet Kindern die Möglichkeit, die Regeln des Straßenverkehrs zu üben und ein besseres Gespür für potenzielle Gefahren zu entwickeln.
Christina Tillmann, Vorständin einer führenden Stiftung im Bereich Verkehrssicherheit, betont: „Kinder, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Schule kommen, haben nicht nur ein besseres Verständnis für den Verkehr, sondern sind auch fitter und aufmerksamer im Unterricht. Sie bewegen sich mehr und haben gleichzeitig die Gelegenheit, soziale Kontakte zu pflegen, indem sie sich mit anderen Kindern austauschen.“
Wie sicher ist der Schulweg?
Interessanterweise stufen die meisten Eltern den Schulweg ihrer Kinder als relativ sicher ein. Durchschnittlich vergaben die Befragten eine Schulnote von 2,6 für die Sicherheit des Schulwegs. Nur 11 Prozent der Eltern, die ihr Kind regelmäßig mit dem Auto zur Schule bringen, nennen die Verkehrssicherheit als Hauptgrund. Viel häufiger stehen praktische Überlegungen im Vordergrund, wie z. B. die Kombination mit dem Arbeitsweg oder das schlechte Wetter.
Was können Eltern für einen sicheren Schulweg tun?
Eltern haben zahlreiche Möglichkeiten, den Schulweg ihrer Kinder sicherer und eigenständiger zu gestalten. In Bayern gibt es mehrere Initiativen, die dabei unterstützen und wertvolle Impulse geben. Eine davon ist die Aktion "Bus auf Füßen", die Eltern und Kinder ermutigt, in organisierten Gruppen zur Schule zu gehen. Diese Gruppen werden oft von einem Elternteil oder Ehrenamtlichen begleitet und orientieren sich an festgelegten Haltestellen, an denen die Kinder „einsteigen“. Die Aktion ermöglicht es Kindern, sicher zu Fuß zu gehen und gleichzeitig soziale Kontakte zu pflegen.
In vielen Städten und Gemeinden Bayerns gibt es zudem die Aktion "Schulweghelfer". Ehrenamtliche Schulweghelfer stehen an wichtigen Kreuzungen oder Zebrastreifen und unterstützen Kinder beim sicheren Überqueren der Straße. Eltern, die nicht die Möglichkeit haben, ihr Kind zur Schule zu begleiten, können auf diese Helfer zählen, die den Kindern den nötigen Schutz bieten.
Eine weitere Initiative, die besonders in Bayern Anklang findet, ist das "Schulwegtraining". Diese Maßnahme wird von Grundschulen oft zu Beginn des Schuljahres durchgeführt. Gemeinsam mit Lehrkräften und der Polizei gehen die Kinder den Schulweg ab, lernen Gefahrenstellen kennen und üben das Verhalten im Straßenverkehr. Diese Schulung ist eine hervorragende Möglichkeit für Eltern, das erlernte Wissen im Alltag mit ihren Kindern anzuwenden und zu vertiefen.
Schließlich gibt es in Bayern auch immer mehr Elterntaxi-Zonen, die es Eltern ermöglichen, ihre Kinder in einem sicheren Abstand zur Schule aus dem Auto aussteigen zu lassen. Solche Zonen sind speziell dafür geschaffen, dass Kinder die letzten Meter zu Fuß zurücklegen können. Dadurch wird der direkte Bereich vor den Schulen entlastet, und Kinder lernen, den Schulweg zumindest ein kleines Stück eigenständig zu meistern.
Neben diesen Initiativen ist es auch essenziell, dass Eltern den Schulweg mit ihren Kindern vor Schulbeginn gemeinsam trainieren. Dazu ist es wichtig, den Schulweg nicht nur einmal, sondern mehrfach mit dem Kind abzugehen. Dabei sollten Eltern auf mögliche Gefahrenstellen hinweisen und dem Kind erklären, wie es in diesen Situationen richtig reagiert und worauf sie achten müssen, zum Beispiel beim Überqueren von Straßen oder im Umgang mit Ampeln und Zebrastreifen. Es kann auch sinnvoll sein, dass Eltern das Kind ab einem bestimmten Zeitpunkt führen lassen, um zu prüfen, ob es die Regeln verstanden hat. Diese Übungen sollten unbedingt zu den Zeiten stattfinden, zu denen das Kind später zur Schule geht, um ein realistisches Bild des Verkehrs zu bekommen.
Fazit
Der Schulweg ist ein wichtiger Teil des Alltags eines Kindes, der nicht nur sicher, sondern auch eigenständig bewältigt werden sollte. Elterntaxis bieten zwar kurzfristige Bequemlichkeit, doch die langfristigen Risiken durch das erhöhte Verkehrsaufkommen sind nicht zu unterschätzen. Eltern sollten deshalb überlegen, wie sie ihre Kinder ermutigen können, ihren Schulweg selbstständig und sicher zurückzulegen – sei es zu Fuß, mit dem Fahrrad oder in Kombination mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
Der Schulstart ist die perfekte Gelegenheit, um gemeinsam mit Kindern und Schulen Lösungen zu finden, die den Schulweg sicherer machen und gleichzeitig die Eigenständigkeit der Kinder fördern.