Schenken mit Nebenwirkungen - Warum zu viele Geschenke schaden
Kleidung oder Geld finden meist nur die Eltern gut. Psychologen warnen davor, mit dem Beschenken der Kinder zu übertreiben. Denn ein Zuviel an Spielzeug überfordert und macht ratlos, verursacht vor allem bei jüngeren Kindern ein Gefühlschaos.

Zu viel, zu teuer, zu groß – die Geschenkeberge haben uns mittlerweile den Blick auf die eigentliche Bedeutung von Weihnachten als Fest der Liebe verstellt. Oma, Opa, Patentante, Onkel, Freunde und Eltern liefern sich beim Schenken einen wahren Überbietungswettbewerb und überhäufen Kinder an den Feiertagen mit Präsenten. Die lieben Kleinen freuen sich über all die guten Gaben. Doch die Begeisterung währt meist nicht lang. Kinder können, so warnen Experten, durch maßloses Beschenktwerden sogar Schaden nehmen.
Geschenke mit Nebenwirkungen
Kleidung oder Geld finden meist nur die Eltern gut. Und so quellen in den Kinderzimmern Regale und Kisten mit Spielen, Puzzles, Puppen, Autos und Stofftieren über.
Psychologen warnen davor, mit dem Beschenken der Kinder zu übertreiben. Denn ein Zuviel an Spielzeug überfordert und macht ratlos, verursacht vor allem bei jüngeren Kindern ein Gefühlschaos. Wenn ein Dreijähriger zehn Dinge auspackt, dann inmitten von Bergen zerrissenen Glitzerpapiers und einem Haufen Geschenken sitzt, mag das auf den ersten Blick witzig aussehen. Richtige Freude empfindet der Steppke allerdings nicht, versichert die Wissenschaft. Denn er weiß gar nicht, welcher Sache er sich nun zuwenden soll. Kinder, die immer wieder mit Geschenken belohnt, abgelenkt, beruhigt werden, sind häufig unruhig, quengeln viel und fordern ständig Input von außen.
Was sind folgen von zu vielen Geschenken?
Wie viele Geschenke bin ich wert?
Mögliche Folgen der Geschenkeflut beschreibt auch der renommierte amerikanische Psychotherapeut Sean Grover im Fachmagazin „Psychology Today“. Ein positives Selbstwertgefühl, so Grover, entwickelt sich nur mühsam, wenn Kinder Wertschätzung hauptsächlich über materielle Zuwendungen erfahren. Ihren Wert bemessen sie dann anhand der erhaltenen Geschenke. Ihre Schlussfolgerung: Wer viel bekommt, ist viel wert. Wer wenig bekommt, wird nicht geliebt. Auch der Vergleich mit anderen, die vielleicht mehr haben, führt zu negativen Gefühlen. Der schlecht zu bewältigenden Reizüberflutung folgt irgendwann der Reizverlust: die Geschenke werden schnell uninteressant, ein kurzes Glücksgefühl lässt sich nur noch durch Neues in immer kürzeren Abständen wecken. Weil sie schlecht gelernt haben, auch einmal zu verzichten, entwickeln überreich beschenkte Kinder außerdem eine niedrigere Frustrationsgrenze. Ihre Kreativität und Selbstaktivität sind weniger ausgeprägt. Sie neigen zu egoistischem Verhalten und haben weniger Empathie für andere übrig. Im Erwachsenenalter zeigen sie ein erhöhtes Risiko für Kauf- oder Glücksspielsucht und definieren sich gerne über ihren Status.






